TICKET-SHOP
Logo Theater Münster
Logo Theater Münster
Spielzeit
2022/23



Das Schauspiel am Theater Münster soll ein Ort von radi­kaler Gegenwart, von Vergegenwärtig sein. In 11 Neu­produktionen werden wir eine vielfältige Bandbreite an Theaterformen zeigen. Der Schwerpunkt wird mit 7 Ur- bzw. Erstaufführungen auf der zeitgenössischen Dramatik liegen. Wir haben Autor*innen, die im deutschsprachigen Raum und weit darüber hinaus ein großes Renommee genießen, nach Münster eingeladen, um für das Münsteraner Ensemble Stücke zu schreiben.

Es sind dies allesamt Autor*innen, die mit sprachlicher, poetischer Kraft und Humor ins Herz der uns alle umtreibenden Fragen greifen. Die Uraufführungen werden sich mal näher, mal entfernter mit Aspekten unseres ersten Spielzeitthemas befassen, dem Generationenthema: Was für eine (Um-)Welt hinterlässt die ältere Generation der jüngeren, welche Schulden, welche Bürden, Bedingungen? Was verdankt die folgende Generation der vorherigen, welches kulturelle Erbe gilt es zu bewahren, was zu reformieren? Welche emanzipatorischen Kämpfe haben die Vorherigen für die Kommenden durchgefochten, welche Irrtümer begangen, mit welchen Folgen? Welches utopische Potential hin zu einer besseren Welt ist die jüngere Gene­ration in der Lage zu entfalten?

Remsi Al Khalisi

ORESTIE

Aischylos

Uraufführung der Texte von Sivan Ben Yishai, Miroslava Svolikova und Maren Kames
REGIE Elsa-Sophie Jach
BÜHNE Marlene Lockemann
KOSTÜME Johanna Stenzel
MUSIK Julian Stetter

Über Generationen hinweg häuft das Geschlecht der Atriden Schuld auf Schuld, übt blutige Rache, die wieder zum Anlass für neue Gewalttaten genommen wird: Agamemnon opfert auf seinem Kriegszug die eigene Tochter Iphigenie für die Gunst der Götter, seine Gattin Klytämnestra nimmt Rache und ermordet den siegreichen Heimkehrer, ihr Sohn Orest sieht die ausgleichende Gerechtigkeit im Muttermord und wird von den Furien in den Wahnsinn getrieben. Am Ende soll das Racheprinzip endlich aufgegeben werden zugunsten einer bürgerschaftlichen Rechtsprechung – zu dem Preis, im Zweifel die Stimme des Mannes über alles zu stellen. Die vielfach ausgezeichneten Autorinnen Sivan Ben Yishai, Miroslava Svolikova und Maren Kames geben den Frauenfiguren Iphigenie, Kassandra und Elektra überraschende Stimmen, mit denen sie die Ur-Erzählung von der Erfindung der Demokratie um heutige Perspektiven erweitern.

PREMIERE
30. September 2022
Großes Haus

Uraufführung

BLAUE FRAU

Antje Rávik Strubel

REGIE Isabel Osthues
BÜHNE Jeremias Böttcher
KOSTÜME Mascha Schubert

Antje Rávik Strubel denkt in ihrem Roman sexuelle Gewalt gegen Frauen zusammen mit der strukturellen, männlichen Gewalt im globalen politischen Gefüge und der Deklassierung, die Osteuropa seit der Wende vom Westen erfahren hat. Eine Frau – Adina, Nina, Sala genannt – formiert ihre Erinnerungen. Ihre Geschichte misst die Grenzen der Liebe ebenso ab wie die Unterschiede zwischen ihrem Geburtsland Tschechien und dem Entfaltung verheißenden Berlin. Sie begegnet dem Machtfeld von Männern, wie ihrem Geliebten Leonides, der stets aufklärerisch und im Sinne einer europäischen Idee zu handeln glaubt und die ungeklärten Machtverhältnisse zwischen Russland, dem Westen und den Ländern dazwischen befragt. Und sie trifft auf den Politfunktionär Bengel, der männlichen Gunst so sicher, dass er sich gesetzlos verhalten kann. Schließlich sucht sie nach einer Sprache, um die erlebte Gewalt in der Welt hörbar zu machen. Antje Rávik Strubel erhielt 2021 für Blaue Frau den Deutschen Buchpreis.

PREMIERE
7. Oktober 2022
Kleines Haus

Deutschsprachige Erstaufführung

PISTEN ...

Penda Diouf

DEUTSCH VON Annette Bühler-Dietrich
REGIE Remsi Al Khalisi
BÜHNE UND KOSTÜME Sophia Debus
VIDEO Viktoria Gurina
MIT Samia Dauenhauer

Die französische Dramatikerin Penda Diouf hat einen poetisch-verstörenden Monolog über eine junge Schwarze Westeuropäerin geschrieben, die sich in einer rassistisch geprägten Umgebung nur auf den „Pisten“ des Leicht­athletikstadions stark fühlt und ihrem Idol, dem Sprinter Frankie Fredericks, nacheifert. Sie begibt sich allein auf eine Reise in dessen Heimatland Namibia und wird dort mit der Geschichte des Völkermords an den Herero und Nama durch deutsche Soldaten vor über hundert Jahren konfrontiert. So verknüpfen sich ihre persönlichen Erfahrungen mit der Geschichte der Kolonialgewalt. „Wann hat diese Reise begonnen?“

PREMIERE
9. Oktober 2022
Studio

GEIZIGE

Molière

REGIE Cilli Drexel
BÜHNE Christina Mrosek
KOSTÜME Janine Werthmann

Molières Geburtstag jährt sich 2022 zum 400. Mal. Eine seiner berühmtesten Komödien Der Geizige erzählt von einem alten weißen Mann, der seinen Nachkommen weder sein Geld, noch die Liebe, noch die Luft zum Atmen gönnen, geschweige denn vererben will und sich an alle irdischen Güter klammert, als könne er damit der Vergänglichkeit entgehen. Misstrauisch wacht er über seine Geldkassette, hingebungsvoll wie über einen Fetisch, selbst seine konsumgierigen Kinder will er meistbietend verschachern. Dabei ist er nicht alleine im Wettbewerb der egoistischen Ziele, so dass Intrigen und Verwicklungen trotz allem und fast zwangsläufig zum Happy-End führen. Wir spielen den Klassiker in allen Rollen mit unserem Frauenensemble.

PREMIERE
26. November 2022
Großes Haus

DAS VERMÄCHTNIS

Matthew Lopez

Aus dem Amerikanischen von Hannes Becker
Frei nach dem Roman Howards End von E.M. Forster
REGIE Sebastian Schug
BÜHNE Jan Freese
KOSTÜME Juliane Götz

Matthew Lopez’ gefeiertes Stück, das bereits im Londoner Westend und am Broadway lief, entfaltet ein feines, komplexes und rasantes Epos über eine Gruppe schwuler Männer, die drei verschiedenen Generationen angehören und im Zeichen ihrer Differenz um Verantwortung, Zusammenhalt, Wahrheit und Fürsorge ringen. Eric und Toby sind ein glückliches 30-something Paar und bestreiten mit ihren Freunden ein angenehmes Leben im Herzen der queeren und intellektuellen Metropole New York. Doch im Klima des aufkeimenden Populismus der Trump-Ära verändern sich die privaten und politischen Vorzeichen ihrer Existenz: Sie stürzen in eine Beziehungskrise, deren Folgen heftig am Selbstverständnis ihrer Identitäten rütteln und sich in der Krise eines zu tiefst gespaltenen, unversöhnten Landes spiegeln. Das Stück besteht aus zwei abendfüllenden Teilen, die an Wochenenden als ein zusammenhängendes Theaterevent erlebt werden können.

PREMIERE
3. Dezember 2022
Kleines Haus

Uraufführung
Auftragswerk

NACHKOMMEN

Ein lautes Schweigen!

Emre Akal

REGIE Emre Akal
BÜHNE UND KOSTÜME Annika Lu Hermann

Das Metaverse, die Idee einer parallelen Realität, die alle digitalen Plattformen und virtuellen Welten miteinander verbindet, wird zum Sehnsuchtsort der Massen. Die Zeit der analogen Computer, hinter denen Menschen saßen und sie steuerten, ist längst vorbei, das KI-gesteuerte digitale Zeitalter hat bereits begonnen. Doch was bedeutet das für den „Rest“, der den Sprung in die neue Ära verpasst hat? Oder sich den Zugang und eine Teilhabe erst gar nicht leisten konnte? In Nachkommen begibt sich der Autor und Regisseur Emre Akal auf die Reise nach den Spuren des Analogen in der Welt, nach Ungerechtigkeiten im Zugang zu Gesellschaft und Technologie und nach Möglichkeiten der Teilhabe am neoliberalen Versprechen eines besseren (digitalen) Lebens.

PREMIERE
19. Januar 2023
Kleines Haus

Spartenübergreifende Uraufführung

Und wenn ich von der Zeit spreche spreche ich von der Zeit die schon nicht mehr ist (am Rande des Rollfelds)

Thomas Köck

REGIE Mareike Mikat
MUSIK Enik
MUSIKALISCHE LEITUNG Thorsten Schmid-Kapfenburg
CHOREOGRAFIE Judith Sánchez Ruíz
BÜHNE UND KOSTÜME Thea Hoffmann-Axthelm

„ein chor wird in die vergangenheit geschickt (unsere gegenwart) und beauftragt festzustellen, was in der vergangenheit schiefgegangen ist. weil, in der zukunft sieht es nicht wahnsinnig gut aus, die zeit ist offensichtlich ungerecht verteilt, in alle richtungen, und überhaupt funktionieren die verträge, die die zeiten aneinanderhalten sollen, nicht mehr, und es gab ein ereignis an einem bestimmten tag, und darauf steuert das ganze zu. allerdings glaubt dem chor in der gegenwart niemand, dass er aus der zukunft kommt. über die zeit zerfällt der chor: einige werden influencer, andere vermarkten ihre kassan­­dra-rufe anderweitig, ein paar machen theater, kurzum, die eigentliche krankheit ist das individuelle wachstum, das keine verantwortung für kommende generationen besitzt.“

PREMIERE
28. Januar 2023
Großes Haus

Geschichten aus dem Wienerwald

Ödön von Horváth

REGIE Julia Hölscher
BÜHNE UND KOSTÜME N.N.

Als ein ewig Reisender, der viele Heimaten kannte, schreibt Ödön von Horváth 1929 mit Geschichten aus dem Wiener Wald die bitterbös-komische Karikatur eines Volksstücks und gleichzeitig einen Abgesang auf die Gnadenlosigkeit des Menschen. In einer „stillen Straße im achten Bezirk“ leben Marianne, die Tochter des „Zauberkönigs“, und der Metzger Oskar und sind miteinander verlobt. „Du entkommst meiner Liebe nicht!“, prophezeit Oskar bei der Trennung, denn Marianne liebt Alfred, einen Taugenichts und Tunichtgut – und das Schicksal nimmt seinen brutalen Lauf: Immer weiter entblößt es die egoistischen und schäbigen Fratzen einer bürgerlichen Mitte, die ohne jeden Kompass auf den Faschismus zutreibt und schließlich die Chance auf eine Zukunft im Kern abtötet.

PREMIERE
24. März 2023
Großes Haus

Die Marquise von O…

Heinrich von Kleist

REGIE Lily Sykes
BÜHNE UND KOSTÜME N.N.
MUSIK N.N.

Von Feuer getrieben findet sich die Marquise von O… unter Soldaten wieder, die ihr Abscheuliches antun wollen. Doch die eigentliche Verheerung versteckt Kleist hinter einem Bindestrich: „Hier – traf er,“ und nimmt sich die bewusstlose Marquise. In ihrer Erinnerung bleibt er, Graf F…, zunächst der rettende Engel, den Teufel entdeckt sie erst, da sie, schwanger, sich entsinnen muss, wie das Kind in ihrem Leib wachsen konnte. Zwischen der verschwiegenen Verge­waltigung und den Zumutungen des Vaters steht eine Frau, die sich aus der ihr zugeschriebenen Scham und der patriarchalen Gewalt herauszulösen trachtet. „Durch diese schöne Anstrengung mit sich selbst bekannt gemacht, hob sie sich plötzlich, wie an ihrer eigenen Hand, aus der ganzen Tiefe, in welche das Schicksal sie herabgestürzt hatte, empor.“

PREMIERE
1. April 2023
Kleines Haus

Uraufführung

And now Hanau

Tuğsal Moğul

REGIE Tuğsal Moğul
BÜHNE UND KOSTÜME N.N.

Am 19. Februar 2020 hat in Hanau ein polizeibekannter Rechts­extremer neun Bürger*innen erschossen, die der Täter nach ihrem migrantischen Aussehen gewählt hat. Tuğsal Moğul lässt in seinem Stück die Perspektive der Opfer zu Wort kommen und fragt nach den vielen Fehlern, die vor, während und nach dem Einsatz von Seiten der Polizei, Staatsanwaltschaft, Politik und den Medien began­gen wurden: Der Attentäter war der Polizei bereits als rechtsextrem bekannt. Wieso wurde er nicht besser überwacht? Wieso war der Notruf 110 in der Tatnacht nicht erreichbar? Wieso war der Notausgang in der Arena-Bar verschlossen? Polizisten des SEK am Tatort wurden später als rechtsextremistisch entlarvt. In enger Zusammenarbeit mit der Initiative 19. Februar fragt Moğul nach Konsequenzen und fordert eine lückenlose Aufklärung.

URAUFFÜHRUNG
Mai 2023

Uraufführung

FARN FARN AWAY

Hausautor*innen Sokola//Spreter

REGIE Tobias Dömer
BÜHNE UND KOSTÜME N.N.

Ist das der Anfang oder das Ende? Ein Mensch verschwin­det am Ende der Zivilisation und zwei Forscherinnen jagen seiner Fährte hinterher. Die Zeit drängt, denn Die Organisation pocht auf schnelle Ergebnisse zu den mysteriösen Vorkommnissen in der verwaisten Forschungsstation, die nur noch von einer unheimlich klugen KI bewohnt wird. Und was weiß der Chor der Farne, der allzu menschliche Regungen zeigt? In einem fiebrigen und assoziationsreichen Philosophie-Krimi sucht das Autor*innenduo Sokola/Spreter nach den Spuren des Menschlichen in einer Welt, die den Menschen gerade abgeschafft hat.

PREMIERE
4. Mai 2023
Studio

Langes Wochenende der Neuen Dramatik

Welche Themen treiben die jungen Autor*innen von heute um? Welche Formen für das Theater von morgen erfinden sie dafür? An einem langen Wochenende der Neuen Dramatik präsentiert das Schauspiel des Theater Münster gemeinsam mit der UdK Berlin (Studiengang Szenisches Schreiben) und der Kunsthochschule für Medien Köln Werkstattinszenierungen neuer Theatertexte von Studierenden. Unter der Leitung von angehenden Regisseur*innen des Regiestudiengangs der Folkwang Universität Bochum stehen Schauspielstudierende aus Bochum zusammen mit Schauspieler*innen unseres Ensembles auf der Bühne im Kleinen Haus und im Studio. In Gesprächen und anderen Begegnungsformaten stellen wir Ihnen die Nachwuchskünstler*innen vor und werden auf einer abschließenden Party die kommende Generation miteinander feiern!

17./18. Juni 2023
Kleines Haus/Studio

Zum Anfang der Seite
Form
Form