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Spielzeit
2022/23



Liebes
Publikum

Wann haben Sie das letzte Mal mit jemandem verhandelt? Neulich im Second Hand Laden oder im Antiquitätengeschäft? Letztes Jahr mit Ihrer Krankenkasse über die Frage, ob Sie einen neuen Rollstuhl als Hilfsmittel beanspruchen können? Gestern Abend mit deiner Schwester, wer die erbeuteten Level beim Töten des Enderdrachen für sich verbuchen darf? Vielleicht steht Ihnen die schwierigste Verhandlung noch bevor, wenn sie mit Ihrer Lebensgefährtin darüber reden, wer welche Aufgaben in der Familie übernimmt? Wenn Sie Münsteraner*in oder anders westfälisch sind, schreckt Sie das nicht, Sie sind schließlich in der Stadt der Verhandlungen zu Hause, kennen sich hier aus.

Wir, die wir fast alle aus verschiedenen Teilen Deutschlands und der Welt nach Münster kommen, um das Profil des Theaters Münster für die nächsten fünf Jahre neu zu prägen, sind beeindruckt von der Geschichte dieser Stadt: der Stadt des Westfälischen Friedens, der Stadt, in der erstmals in Europa ein grausamer, Jahrzehnte dauernder Krieg durch Verhandlungen beendet wurde. Was muss das für eine Stadt sein? Was kann das für eine Stadt sein, in der die Kunst der Verhandlung so folgenreich angewendet wurde? Welche Spuren hat diese Erfahrung hier durch Generationen hinterlassen? Was können wir und was kann Deutschland, was kann Europa heute noch daraus lernen?

Wir, die wir schon länger hier – oder in anderen Theatern – zu Hause sind, fragen uns: Wohin führt uns der Weg? Was erhoffen wir uns von der nächsten Generation? Von den Kindern, von den nächsten Entscheidungsträger*innen – im Theater und überhaupt in der Welt? Und was schulden wir ihnen?

Die Vorbereitung für unsere erste gemeinsame Spielzeit fällt in eine Zeit des Aufbegehrens vieler, vor allem junger Menschen gegen die Klimakrise, wir leben seit mehr als zwei Jahre in einer Pandemie und seit dem 24. Februar 2022 wird von einem autokratischen Regime in Europa ein blutiger, grausamer und völkerrechtswidriger Krieg geführt. Wir blicken auf die Welt – und erkennen sie kaum mehr als unsere. Wir erleben, wie vieles, was uns sicher erschien, zusammenstürzt – und anderes erscheint uns heute zweifelhafter als zuvor. Die Annahme, dass Worte allein Frieden stiften und halten können, scheint oft naiv. Und zugleich liegen Hoffnungen auf Verhandlungen, wie seit Jahrzehnten nicht.

Im Theater spielen wir Welten. Wir befinden uns in einem geschützten Raum, in dem wir probeweise alles verhandeln können. Für einige Stunden können wir uns in Schicksale einfühlen, Konflikte eskalieren und Versöhnungen entstehen sehen. Wir können Verstehen üben und mit Unverständnis leben lernen. Wir riskieren dabei vielleicht Auseinandersetzungen, nie aber Ihr, Euer und unser Leben. Diese Offenheit gehört zu einer relativ freien Gesellschaft. Es liegt aber auch eine Verpflichtung darin, denn auch als Theater sind wir ein Teil der echten Welt mit allem, was in ihr vorgeht.

So laden wir alle aufs Herzlichste ein, in den kommenden Jahren auf unseren Bühnen und darüber hinaus Anteil an ebenso unterhaltsamen wie brisanten Verhandlungen über unser aller Leben zu nehmen. Wir beginnen mit dem, was Alt und Jung untereinander zu klären haben: Konflikte entzweien Generationen? Was verbindet sie miteinander?

Zum Jubiläumsjahr des Westfälischen Friedens 2023 wird sich unser Programm mit der Spielzeit 2023/24 dann dem Themenfeld Krieg und Frieden zuwenden.

Bei allem gilt: Wir sind alle verschieden und alle willkommen! Sollte es Differenzen geben: Lassen Sie uns reden – oder schreiben – oder gebärden – oder singen, spielen, tanzen, und hoffentlich auch immer wieder feiern!

Ihre

Dr. Katharina Kost-Tolmein
Generalintendantin
und Leiterin Musiktheater

Rita Feldmann
Verwaltungsdirektorin

Golo Berg
Generalmusikdirektor

Remsi Al Khalisi
Schauspieldirektor

Lillian Stillwell
Tanzdirektorin und Chefchoreografin

Angela Merl
Leiterin Junges Theater und
künstlerische Vermittlung

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